Mecklenburgischer Adliger und wichtiger Diplomat der dänischen Krone. Wird beschuldigt im Frühsommer 1420 an der Entführung und Beraubung russischer Kaufleute auf der Newa beteiligt gewesen zu sein. Wird deshalb im September 1420 vorübergehend aus Dänemark verbannt.

Leben

Namensvarianten: Vycke, Vicko; von Vietzen, van Viitzen, van Vytzen

Lebensdaten: mindestens 1380 - 1428[1]

Herkunft: Mecklenburg[2]

Tätigkeitsgebiet: Dänemark, Ostsee

Verwandtschaft: Sohn von Claus von Vitzen, Enkel von Vicke von Vitzen sen.[3] vermutlich verwandt mit Thomas van Vytzen[4].

Die von Vitzen waren um 1364 mit Albrecht III. von Mecklenburg nach Schweden gekommen. Um 1370 war Vicke von Vitzen sen. Mitglied im Schwedischen Reichsrat und seit 1361 Vogt auf Burg Kalmar.[5] 1389 ist er einer der Berater Kg. Albrecht III. von Mecklenburg auf dem Feldzug gegen Margarethe von Dänemark von Dänemark bis zur verlorenen Schlacht von Falköping, in der er fällt.[6] Nach seinem Tod fällt die Burgvogtei Kalmar an seine Söhne Klaus, Vicke und Hermann, die sich im August 1389 Margarethe von Dänemark unterwarfen. Sie vermittelten auch die Unterwerfung der mehrheitlich deutschen Stadt Kalmar gegenüber Margarethe von Dänemark.[7] König Albrecht III. von Mecklenburg warf ihnen daher später Verrat und Untreue vor.[8]

Tätigkeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer:

Wird beschuldigt im Frühsommer 1420 an der Entführung und Beraubung russischer Kaufleute auf der Newa beteiligt gewesen zu sein. Diese wurden bis nach Mecklenburg verschleppt und auf Schloss Eickhof festgehalten, 2 Meilen von Wismar entfernt. In Wismar wurden die ihnen geraubten Waren von den Tätern verkauft.[9] Am 20. Juli 1420 erscheinen in Reval Nowgoroder Kaufleute vor dem Rat und beschuldigen zunächst Wyneke Gellerman.[10] Einen Monat später, am 26. August, werden zum ersten Mal von Vitzen und Vicke Stralendorp der Beteiligung daran beschuldigt.[11] Von Vitzen wird deshalb am 17. September 1420 zusammen mit Hinrich Tarnewitz und Wulff Lembeke durch Erich von Pommern vorübergehend aus Dänemark verbannt.[12] Mitte März 1421 beklagt ein Bote aus Nowgorod in Reval und Riga, dass die Entführten und ihre Waren in die Hansestädte gebracht worden und noch immer dort gefangen seien. Er belegt dies mit einem Brief des dänischen Königs und droht an, dass Nowgorod sich den Schaden von den Hansestädten zurückholen werde.[13] Da die livländischen Städte etwas ähnliches bereits befürchtet haben, beraten sie mit Lübeck über ein Waffenembargo oder sogar einen Handelsboykott gegen Nowgorod.[14] Im Juni 1422 verkünden Rostock und Wismar in einem offenen Brief an diverse Empfänger, dass sie alle Streitigkeiten freundlich beigelegt und endgültig ausgesöhnt hätten, die sie mit den „duchtigen knapen“ Vikke van Stralendorpe zu Kriuitz, Vicke van Vitzen, Wulff Lemebeken, Hinrik Tarneuittzen, Jaspar Stralendorpe und ihren Gehilfen darum hatten, weil diese „etliken Russen gevangen hadden“. Auch die Nachkommen sollten diese Angelegenheit in zukünftigen Zeiten nicht mehr neu aufrollen.[15]

Vicke von Vitzen genießt danach offenbar wieder das Vertrauen des Königs, verhandelt z.B. 1427 für ihn mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens.[16]

Status:

Mecklenburgischer Adliger, wichtiger Diplomat der dänischen Krone, verhandelt in deren Namen u.a. mit den Hansestädten und dem Deutschen Orden[17]

Fahrgemeinschaften:

Vicke Stralendorp, Jasper Stralendorp, Hinrich Tarnewitz, Wulff Lembeke, Wyneke Gellerman

Auftraggeber:

Angaben zu Schiff und Besatzung:

Sonstige Tätigkeiten:

Sonstiges

1422 soll Vicke von Vitzen zusammen mit Albert Budelbach zwei Danziger Bürgern Waren weggenommen haben, dabei wird Vicke als "Capitaneus in Elvesborch" bezeichnet.[18]

Quellen

Verein für hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 1, Die Recesse und andere Akten der Hansetage: 1256 – 1430. Leipzig: Duncker & Humblot, 1870ff.

Bunge, Georg von u.a.: Liv-, Esth- und Kurländisches Urkundenbuch. Nebst Regesten. Bd. 1-24. Reval 1853-1914.

Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde(Hrsg.): Lübeckisches Urkundenbuch. Urkundenbuch der Stadt Lübeck. Lübeck 1843ff.

Literatur

Lisch, Georg Christian Friedrich: Zur Geschichte der Vitalienbrüder, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 23, 1858, S. 146-149.

Zur Familie von Vitzen vgl.: Nordman, Viljo Adolf: Albrecht, Herzog von Mecklenburg, König von Schweden, Helsinki 1938, S. 103-109.

Clarus: Bartolomäus Voet, 2012, S. 106.


Einzelnachweise

  1. HR 1.4: 262. LivEstKurUB 4: 1375. LübUB 5: 157.

  2. Lisch, S. 148.

  3. Lisch, S. 148f. LübUB 6: 630.

  4. HR 1.5: 190, 195.

  5. Girgensohn: Skandinavische Politik, 1898, S. 57; Kattinger: Jak lönthe, S. 100.

  6. Girgensohn, S. 84, 87.

  7. Girgensohn1898, S. 90.; Nordman 1938, S. 224 ff.

  8. HR I.4, Nr. 57 (1392).

  9. Lisch, S. 147f. HR 1.7: 258f. LübUB 6: 270.

  10. HR 1.7: 134.

  11. HR 1.7: 136f. LivEstKurlUB 5, 2499. LübUB 6: 270.

  12. HR 1.7: 258f.

  13. LübUB 6: 812f.

  14. LübUB 6: 309, 815.

  15. LübUB 6: 424.

  16. HR 1.8: 185, 187, 243, 293.

  17. Lisch, S. 148f. HR 1.6: 385. HR 1.8: 185, 187, 243, 293. LübUB 5: 157.

  18. HUB 6: 453.


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